Ratgeber: Modelingverstärker / Digiamps

Modelingamps auf einen Blick:

  • Günstig
  • Extrem vielseitig
  • Etwas kühler Sound
  • Bauformen: meistens Combos oder Heads
  • Genres: alle
  • Vorteile: Preis; keine Wartungskosten; sehr vielseitig; integrierte Effekte
  • Nachteile: meist kühler, undynamischer Sound

Technik:

Modelingamps, auch Digiamps genannt, sind digitale Gitarrenverstärker, die eine Vielzahl an Sounds und Effekten nachbilden (modellieren). Im Inneren arbeiten Computerchips, deren Technik je nach Hersteller folgende Namen trägt:

COSM Technologie
COSM, VAMS, REMS. Es werden Gitarrenverstärker namhafter Hersteller als Vorbild (Modell) genommen, genau analysiert und deren Klangeigenschaften dann digital simuliert.

Eigenschaften: Digimaps können je nach Produkt folgende Eigenschaften simulieren: Verstärker, Box mit Lautsprecher(n), Mikrofontyp und Platzierung, Effekte. All die getroffenen Einstellungen sind oft speicherbar und per Knopfdruck oder Fussschalter umschaltbar. Manchmal findet man sogar ganze Presets (Voreinstellungen) mit dem Sound eines bekannten Künstlers bzw dessen Song. Darin enthalten ist dann der Verstärkertyp, die Box, das Mikrofon welches den Klang beim Recording abnimmt und diverse Effekte.

Sound:

Modeling Amps haben keine Röhren, sie werden nur simuliert. Die Sounds gehen meistens nur in die Richtung des angewählten Verstärkers, wie echte Röhrenamps klingen, und vA reagieren sie nicht. Manchmal wird mit einer echten Röhre nachgeholfen, was dem Sound schon etwas mehr Wärme und Dynamik gibt. Ansonsten klingen sie ähnlich wie Transistoramps eher kühl und undynamisch, dh sie reagieren nicht so gut auf die gespielten Lautstärkeunterschiede.

Ampsimulationen:

Digiamp Panel
Hier gibt es alles! Meistens sind ein bis zwei cleane Programme an Board. Dann steigern sich die Programme meist im Uhrzeigensinn in ihrer Zerrintensität. Von ultraclean bis Metallbrett ist hier also alles vorhanden.

Effektsimulationen: Hier findest du je nach Preislage meistens mindestens Hall, Chorus, Flanger oder Phaser, Compressor und Delay. Wenn es ein guter Amp ist kannst du die Effekte miteinander kombinieren und nicht nur einen Effekt gleichzeitig aufrufen.

Digiamps und externe Zerr-/Effektpedalle: Wie Transistoramps vertragen sich auch Digiamps nicht so toll mit Zerrpedalen. Zwar machen sie technisch keine Probleme, der Sound bleibt aber kühl, egal wie warm das Pedal sonst auch klingen mag.
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Bauformen

Combo: Modelingamp Combo Die meisten Modeling Amps sind Combos. Das bedeutet, sie haben Vorverstärker, Endstufe und den Lautsprecher in einem Gehäuse. Das ist sehr praktisch, limitiert einen jedoch auf immer die gleiche Box, es sei denn es gibt einen zusätzlichen Speaker Out Anschluss. Dafür sind sie handlich und leicht. Ausserdem braucht man sich (als Anfänger) keine Gedanken über eine geeignete Box mit den richtigen Widerstandwerten zu machen.

Head + Box: Digiamp Halfstack Es gibt jedoch auch sogenannte Heads, welche die Vorstufe und die Endstufe in eine Gehäuse packen. Man braucht dann noch ein Lautsprecherbox (Cabinet) mit Speakern. Das ist die vielseitigste Variante, die es überhaupt gibt. Du hast damit viele Verstärkertypen und Effekte in nur einem Gehäuse und kannst dir die Box mit den Lautsprechern deiner Wahl dazu kaufen.

Vorteile:

Günstig: Modelingamps haben eindeutig das beste Preis/Leistungsverhältnis. Sie sind echt günstig für die Vielzahl an Sounds die sie zu bieten haben. Du ersparst dir den Kauf vieler Effekte, da diese schon integriert sind.

Vielseitig: Mit einem Modelingamp legst du dir quasi die eierlgende Wollmilchsau zu. Die Sounds sind unendlich kombinierbar und meistens auch speicherbar.

Lautstärke: Im Gegensatz zu Röhrenamps klingen Modelingamps bei leiser Lautstärke gleich, wie bei lauter. Der Grundsound verändert sich nicht.

Nachteile:

Klang: Modelingamps sind Digitalamps und digitale Schaltkreise haben halt nicht die Wärme von analogen, schon gar nicht von Röhren. Manche Digiamps haben deswegen eine Röhre verbaut, was ihnen deutlich auf die Beine hilft und mehr Druck, Lebendigkeit, Dynamik und vA Wärme verleiht.

Zusammenspiel mit Effektpedalen: Natürlich kann man auch vor Digiamps Bodentreter schalten, der Grundsound bleibt allerdings weiterhin kühl. Pedale lieben halt Röhrenverstärker.

Genres:

Alle

Fazit:

Modelingamps erleichtern das Leben des angehenden Gitarristen doch sehr und schonen die Geldbörse. Sie sind die eierlegende Wollmilchsau unter den Gitarrenverstärkern. Da ist alles in einem Gehäuse, was man des Gitarristen`s Herz erfreut. Von verschiedenen Verstärkertypen, bis Effekten und sogar Boxensimulationen. Alles meist speicherbar und per Fussschalter wieder abrufbar.

Auf der Strecke bleibt oft der Klang. Mittlerweile gibt es allerdings schon sehr ausgerefte Technologien, die die Sounds immer realistischer werden lassen. Als Anfänger oder aber auch Fortgeschrittener, der viele Sounds benötigt (zB Coverband) kann ich dir Modelingamps wirklich empfehlen.

Kauftipps:

  • Combo, sehr geringes Budget: Roland Micro Cube
    Ein süsser, kleiner, praktischer Übungsverstärker. Günstiger geht`s kaum noch. Ich habe den Micro Cube selbst und mag ihn wirklich gerne. 8 Amp Modelle eine Effektsektion, Kopfhöreranschluss und in der neuesten Generation ein Interface für Apple Geräte (iPod, iPhone etc). Er kann sogar Batterie-betrieben werden, also auch was für Feste oder Strassenmusiker. Gibt`s auch in weiß oder schwarz.
  • Combo, geringes Budget: Vox VT-Serie
    Für mich der absolute Knaller. Vox liefert hier wirklich authentische Sounds zum mega günstigen Preis. Der runde, warme Grundsound ist der Röhrenvorstufe zu verdanken. Alle drei haben 11 Ampmodellen, dazu eine volle Effektsektion und das ganze ist auf 33 Plätzen speicherbar.
    Die Serie gibt es in drei Varianten, die sich ausschließlich in Lautsprechergröße und Lautstärke (Watt) unterscheiden.

    Vox VT20X: Der kleinste der Serie. Der 8" Lautsprecher liefert noch nicht allzuviel Bässe oder Druck. 20 Watt reichen für Wohnzimmer und sehr kleine Locations. Zum anfangen ok, persönlich würde ich als Anfänger trotzdem eher den mittleren nehmen.

    Vox VT40X: 10" Speaker und 40 Watt. Der 10" Speaker liefert schon mehr Bässe und klingt fülliger. Mit 40 Watt kann man auch schon auf die Bühne. Meine Empfehlung fürs kleine Geld.

    Vox VT100X: Der professionellste der drei. Der 12" Speaker ist eigentlich Standard und bringt einen vollen, runden Ton mit kräftigen Bässen. Mit 100 Watt gibt`s auf keiner Bühne ein Problem;-)
  • Combo, mittleres Budget: Line6 Spider Jam
    Line6 ist ein Pionier auf dem Modeling-Markt. Der Spider Jam zeichnet sich durch einen integrierten Looper aus, mit dem du dich aufnehmen und anschliessend dazuspieln kannst. Ausserdem sind bereits 100 Loops, die von Studiomusikern eingespielt wurden mit dabei. Ach beim Line6 kannst du mp3-Player und dergleichen anschließen. Man kann sogar ein Mikro dranhängen. Möglichkeiten also ohne Ende. Weiters wartet er mit 12 Ampmodellen, Effektsektion, 32 Speicherplätzen und einem ausgewachsenen 12" Lautsprecher auf.
  • Head, hohes Budget: Kemper Profiling Head
    Vor einiger Zeit hat Kemper mit neuer Modeling Technologie (Impulsantworten) den Markt ordentlich aufgemischt. Der Vorteil ist, dass man zu den vorhandenen Sounds jederzeit selbst welche modelliern kann oder dazukaufen kann. Dadurch kann man jeden Sound jedes beliebigen Verstärkers in das Gerät laden. Die üblichen Effekte sind natürlich auch an Board.

    Der Kemper klingt extrem realistisch. Das hat natürlich seinen Preis. Es gibt ihn in verschiedenen Ausführungen. Nur als Vorstufe, als hier verlinkter Head mit Vor- und Endstufe und beide Versionen als Rackgerät. Wenn du rückengeplagt bist, ob der vielen Schlepperei beim Auftritt, kann ich dir den Kemper nur wärmstens empfehlen!
Weitere Ratgeber: Röhrenamps | Transistoramps | Jazzamps | Akustikamps