Ratgeber: Jazzgitarren

Jazzgitarren auf einen Blick:

  • Innen hohl
  • zwei Arten: dick und komplett hohl oder dünner mit Sustainblock
  • Fetter, mittenbetonter Klang
  • Humbucker Pickups, oft auch "gefloatet".
  • Archtop Gitarren mit gewölbter Decke
  • Dünnere Gitarren mit flacher Decke und Sustainblock

Archtopgitarren:

Archtop Jazzgitarre Body. Seitenansicht eines Archtop Korpus. Eastman 905 Archtop Jazzgitarre. Wenn wir von Jazzgitarren sprechen, meinen wir meistens die sogenannten Archtop Gitarren. Sie sind innen komplett hohl, haben einen recht dicken Korpus und die namensgebende gewölbte Decke. Diese Decken sind oft aus massivem Holz, manchmal aber auch laminiert. Zum Einsatz kommt meistens gut schwingendes Fichtenholz.

Da Archtops innen hohl sind, ist es relativ leicht eine unerwünschte Rückkopplung zwischen Gitarre und Amp zu erzeugen. Da man aber im Jazz nicht sonderlich laut spielt ist das eigentlich kein Problem. Falls du hingegen Jazzrock spielen möchtest, kann das wirklich zum Problem werden. Eine waschechte Archtop mit dickem Korpus und ohne Sustainblock (also innen komplett hohl) ist daher auch nur für reinen Jazz geeignet. Verzerrt oder all zu laut sollten Archtops nicht gespielt werden.
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Korpusgrößen:
Die Korpusgrößen sind meist 16, 17 oder sogar 18 Zoll. Letztere ist schon recht groß und bei kleineren Menschen, wie mir, kann das schon ordentlich auf die rechte Schulter gehen (bei Rechtshändern). Je größer und dicker die Gitarre, desto lauter klingt sie rein akustisch gespielt.

Tonabnehmer:
Kent Armstrong Floating Pickup. Archtop Jazzgitarre mit Gefloatetem, schwebendem Tonabnehmer Natürlich haben fast alle Jazzgitarren Elekrik an Board. Bei Archtopgitarren findet man häufig einen einzelnen gefloateten Humbucker. Das ist ein Doppelspul-Tonabnehmer, der nicht am Korpus, sondern am Schlagbrett (also gefloatet) befestigt ist. Damit wird das Schwingungsverhalten der Decke nicht gestört und man kann den Pickup leichter tauschen, ohne neue Löcher in die oft handgeschnitzte Decke bohren zu müssen.

Jazzgitarren Pickups (Tonabnhemer) sind meistens "underwound", haben also weniger Wicklungen und sind damit leistungsschwächer. Schliesslich will man ja einen weichen und keinen aggressiven Sound.

Sound:
Dicke Archtop Jazzgitarren klingen akustisch schon recht laut. Eigentlich sind sie von der Bauweise her ja auch Akustikgitarren (mit Elektronik). Trotzdem sind sie dazu gedacht verstärkt zu werden. Ihr Sound ist bass-und mittenlastig. Die Bässe sind meist knochentrocken, will heißen klingen nicht lange nach (was gewollt ist). Man hört richtig das Holz heraus. Macht nicht den typischen Anfängerfehler die Höhen zu stark zurück zu drehen. Eine Archtop hat sowieso schon nicht so viel Höhen und daher würde es sonst zu mumpfen beginnen.

Vorteile:
Authentischer traditioneller Jazzklang. Für Vintage Jazz bis Modern Jazz geeignet. Schon unverstärkt laut genug, man braucht also beim Üben nicht unbedingt einen Verstärker. Meist sehr schöne Optik.

Nachteile: Globiger Korpus, manchmal dickerer Hals, daher schwerer zu spielen. Rückkopplungsgefahr bei lautem Spielen. Auf eine Stilistik (Jazz) limitiert.

Bekannte Modelle:
  • Gibson und Epiphone ES 175
  • Gibson L5 und L4
  • Gibson Super 400
  • Ibanez GB10 und GB30 (George Benson Signature)
  • Ibanez PM200 (Pat Metheny Signature)
  • D'Angelico ES-SS
  • Gibson und Epiphone Byrdland

Semiakustische Jazzgitarren (mit Sustainblock):

Semiakustische Hollowbody Jazzgitarre. Gibson ES 3er Serie Neben den Archtop-Gitarren gibt es noch die dünneren Jazzgitarren mit sogenanntem Sustainblock. Das ist ein rechteckiger Balken Holz im Inneren der Gitarre der vom Hals bis zur Brücke geht. Dieser macht, dass die Noten länger nachklingen (englisch: Sustain). Ausserdem ist die Gitarre somit nicht mehr vollständig hohl, wodurch sie auch nicht mehr so anfällig für Rückkopplungen des Verstärkers ist. Gitarren mit Sustainblock vertragen somit eine erheblich lautere Einstellung am Verstärker ohne gleich zu pfeifen zu beginnen. Damit kann man sie vielseitger einsetzen, zB auch für Jazzrock (Fusion), Blues, Rockabilly und Vintage Rock. Auf Grund ihrer schmalen Zarge sind sie erheblich leichter zu handeln, vor Allem für kleine Leute, Anfänger oder jeden, der`s gern bequem mag.

Tonabnehmer:
Die Pickups dieser Jazzrock-Gitarren haben ebenfalls meistens Humbucker (Doppelspuler), allerdings nicht gefloatet, sondern an die Decke geschraubt. Die meisten Gitarren haben zwei Stück davon, die auch einen etwas höheren Output haben, als ihre dicken Archtop Pendants. Es gibt auch Exemplare mit P90 Single-Coil (Einspuler) Tonabnehmern. Diese sind zwar Single Coils aber mit wesentlich mehr Wicklungen und daher höherem Output. Leider brummen P-90 Pickups gewaltig.
Damit sind sie auch für Blues/Rocksounds gut gerüstet; ausserdem verzerren sie etwas früher.

Sound:
Dünne Jazzgitarren haben akustisch einen recht mageren Sound. Du musst sie also auch beim Üben schon verstärken. Soundmäßig kann man sie am besten mit dem englischen Wort "mellow" beschreiben. Sie sind mittig und butterweich. Der Ton ist nicht hölzern trocken, sondern hat viel Sustain (Töne klinge lange nach) und klingt weicher. Auf Grund des geringeren Resonanzraumes haben sie weniger Bässe, was nicht schlechter ist. Es mumpft viel weniger, die Bässe sind knackiger und definierter.

Vorteile:
Vielseitiger einsetzbar. Für (Modern) Jazz bis Rock geeignet. Geringes Gewicht; Leichtes Handling auf Grund der schmalen Breite. Langes Sustain. Weniger anfällig für Rückkopplungen. Gut für Anfänger geeignet.

Nachteile: Akustisch fast wie E-Gitarre, daher nur mit Verstärker spielbar. Für traditionellen Jazz gut, aber nicht optimal.

Bekannte Modelle:
  • Gibson ES 335, 330, 339
  • Epiphone Sheraton
  • Gibson Midtown
  • Ibanez JSM (John Scofield Signature)
  • D'Angelico EX-DC
  • Epiphone Casino
  • Epiphone BB King Lucille

Saiten für Jazzgitarren:

Ratgeber und Kaufberatung Jazzgitarrensaiten. Flatwound und Roundwound Saiten. Die Wahl der Saiten ist ein entscheidender Faktor für den Klang der Jazzgitarre. Es gibt grundsätzlich einmal zwei Arten von Jazzgitarrensaiten. Flatwound (geschliffene) und roundwound (ungeschliffene) Jazzgitarrensaiten.

Geschliffene (Flatwound) Saiten:

Bei Flatwound Saiten sind die Umwicklungen abgeschliffen, während der Kern gleich ist wie bei den "normalen" ungeschliffenen Saiten. Somit sind alle Saiten (auch schon die Basssaiten) völlig glatt. Dadurch ergibt sich ein angenehmes Spielgefühl, weil nichts mehr die Fingerkuppen aufrauht.

Sound:
Sie haben keine kratzenden Störgeräusche bei Akkordwechseln. Allerdings ist das Sustian dramatisch verkürzt. Das heisst, die angeschlagenen Töne klingen nicht so lange nach, wie bei ungeschliffenen Saiten.

Verwendete Stilistiken:
Swing; Freddy Green Style; 1930er Jahre Vintage Jazz.

Am Besten geeignet sind Flatwounds für Stile, bei denen die Akkorde schnell wechseln. Beim Swing werden Akkorde in Vierteln geschrumpelt und oft chromatisch verziert. Hier kann das Kratzen von ungeschliffenen Saiten, vA bei Audioaufnahmen wirklich störend sein und auch die Fingerkuppen belasten.
Auf Grund des mangelnden Sustains sind sie eigentlich nicht wirklich für andere Stile gedacht. Trotzdem spielen sie seltsamerweise viele Jazzer. Wahrscheinlich weil man sie mit Jazz assoziiert. Auf Flatwound Packungen steht nicht umsonst meist "Swing" drauf, weil sie eben eigentlich nur dafür gedacht sind. Das mangelnde Sustain ist beim Swing-Schrumpeln vorteilhaft, weil sich so ein Akkord vom Anderen besser absetzt. Bei allen anderen Stilen ist es echt ein Killer.

Saitenempfehlung:
Thomastik Infeld Swing
Nimm den 12er oder 13er Satz. Du solltest hier nicht zu dünne Saiten spielen, da die Intonation der Akkorde sonst ungenau wird. Die Thomastik Saiten sind DIE Jazzsaiten schlechthin. Sie klingen nicht so metallisch wie die D'Addario oder andere Hersteller.

Ungeschliffene (Roundwound) Saiten:

Dies sind die normalen Jazzsaiten, die für alle Stilistiken verwendet werden sollten, ausser Swing. Sie verfügen über viel mehr Sustain und klingen nicht so tot, wie ihre geschliffenen Schwestern. Sie entsprechen im Prinzip normalen E-Gitarrensaiten. Trotzdem solltest du unbedingt zu speziellen Jazzsaiten greifen, da sie im Idealfall viel weicher und mittig-wärmer klingen. Mein Favorit ist auch hier wieder Thomastik (übrigens ein österreichischer Hersteller, den jeder Jazzgitarrist auf der Welt kennt)

Saitenempfehlung:
Thomastik Infeld Bebop
Die Bebop Saiten von Thomastik sind die normalen Jazzsaiten, eben ungeschliffen. Du solltest im Idealfall 12er oder 13er Saiten spielen, mindestens aber 11er. Dünnere Saiten machen im Jazz echt keinen Sinn. Es geht die Intonation bei Akkorden verloren und auch der Sound dünnt aus. Je fetter die Saiten, desto fetter der Sound!

Kauftipps:

  • Semiacoustic Jazzgitarre, geringes Budget: Epiphone Sheraton II
    Die Sheraton ist schon so lange erfolgreich am Markt, dass man sie getrost zu den Klassikern der Neuzeit zählen kann. Sie bietet sogar Coil Splitting, dh die Doppelspul-Tonabnehmer sind auf Einzelspuler umschaltbar. Dadurch ist sie noch vielseitiger und kann von ihrem butterweichen jazzigen Sound zu einer ausgedünnten Popgitarre geschaltet werden. Die Sheraton ist eine meiner Lieblings Einsteigergitarren. Ich hatte sie schon öfters in der Hand und jedes Mal haut mich der smoothe Sound vom Hocker. Und das bei dem Preis! Schön ist sie auch noch (gibt`s in verschiedenen Farben).
  • Semiacoustic Jazzgitarre, mittleres Budget: Ibanez JSM10 John Scofield
    Die günstigere der zwei John Scofield Signature Gitarren bietet schon beachtlichen Sound für`s Geld. Die Super 58 Humbucker liefern den Scofield-typisch mittig weichen Sound, der ungemein vielseitig einsetzbar ist.
  • Semiacoustic Jazzgitarrre, hohes Budget: Gibson ES-335.
    Der Klassiker schlechthin! Die wohl bekannteste unter den dünnen Jazzgitarren. Sehr schöner mellow Sound, butterweiche Mitten und tolles Sustain.
  • Archtop, geringes Budget: Epiphone Emperor II Joe Pass
    Signature Gitarre von Joe Pass. Die Emperor ist mit ihrem kleinen 16 Zoll Korpus sehr angenem zu handeln für eine Archtop. Du erhältst einen schönen Archtop Sound und gutes Handling.
  • Archtop, mittleres Budget: Ibanez LGB30
    Eine sehr angenehm zu spielende Archtop aus der George Benson Serie von Ibanez. Das Ebenholzgriffbrett liefert einen knackig klaren Sound mit schneller Ansprache, das die Wärme des Mahagonihalses perfekt ergänzt und verhindert, dass der Ton zu matschen beginnt.
  • Archtop, hohes Budget: Peerless Cremona
    Peerless ist ein Hersteller aus Fernost, der aber hervorragende Gitarren zu einem genialen Preis/Leistungsverhältnis anbietet. Die Cremona ist eine wunderschöne Archtop mit 17" Korpus, also schon recht groß, aber noch nicht riesig. Sie ist für eine Archtop richtig leicht bespielbar und hat einen schönen runden, warmen Sound.
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