Ratgeber: Gypsygitarren

Ratgeber Gypsygitarrengitarren. Kaufberatung für Selmer / Maccaferri Style Gipsygitarren

Gypsygitarren auf einen Blick:

  • Spezielle Form mit O-Loch oder D-Loch
  • Sehr laut; volle, trockene Bässe
  • Spezielle, extrem weiche Saiten und dicke Plektren
  • Sehr lange Mensur

Form:

Gipsyjazzgitarren im Stile Django Reinhardt's sind auch unter Selmer-Style Gitarren oder Maccaferri-Style Gitarren bekannt. Dabei muss man zwischen D-Loch ("Grande Bouche") und O-Loch ("Petite Bouche") Gitarren unterscheiden.

D-Loch GypsygitarrenD-Loch Gitarren, deren Schallloch eben einem "D" gleicht sind eher für Rhyhmus gedacht. Ihr Hals-Korpusübergang ist meist schon am 12. Bund, da man ja beim Rhythmusspiel nicht so hoch hinauf muss. Sie klingen insgesamt weicher als ihre O-Loch Pendants.

O-Loch Gypsygitarren Die O-Loch Gypsygitarren sind für's Solieren besser geeignet. Sie klingen lauter und komprimierter im Ton und sind dadurch durchsetzungsfähiger. Schließlich muss die Melodie / Solo ja den Rhythmus etwas übertönen.

Beide haben einen Cutaway, damit man besser in die höheren Lagen kommt, welcher im Gegensatz zu Westerngitarren einfach 90 Grad hat.

Gypsygitarren haben eine sehr lange Mensur. Das bedeutet, dass die Bundabstände sehr groß sind. Das ist notwendig, damit die speziellen, extrem weichen Gypsysaiten nicht schnarren und um den knackigen Ton zu erzielen. Leider sind sie dadurch, vor Allem für Leute mit kleineren Händen recht schwer zu greifen. Alte Selmers (oder nach altem Vorbild gebaute) Gypsygitarren haben auch einen sehr dicken U-förmigen Hals. Moderne Gypsygitarren haben schon einen etwas schlankeren Hals.

mehr / weniger Info

Sound:

Akustisch sehr laut. Volle Bässe und knackige, durchsetzungsfähige Hochmitten (vA bei der O-Loch Variante). Nicht so seidene Höhen, wie eine Westerngitarre, sondern präsentere Hochmitten.

Gipsygitarren können über einen in den Steg eingebauten Piezo-Tonabnehmer (Bigtone) an einen Akustikverstärker angeschlossen werden. Ist kein Tonabnehmer installiert, muss über ein Mikrofon abgenommen werden.

Saiten:

Auf Gypsygitarren gehören spezielle Gypsysaiten! Es gibt eigentlich nur zwei namhafte Hersteller in diesem Bereich. Der bekanntere ist Argentine, der andere Galli Strings.

Unterschiede: Die Argentines haben einen runden Kern aus Kupfer, während die Galli Strings einen 6-eckigen Kern aus Stahl haben. Gypsysaiten sind immer mit Silber umsponnen. Die Argentines klingen etwas heller und spielen sich etwas weicher. Konstruktionsbedingt brechen den Argentines allerdings schnell die Umwicklungen weg. Ich persönlich spiele Galli Silk & Steel Strings, da sie länger halten und ich weiß was aus der Packung kommt. Bei den Argentines hab ich schon öfters echt tote Saiten dabei gehabt.

Saitenenden GypsygitarrenAchtung: Gypsysaiten gibt es immer in einer Loopend-Version und einer Ballend-Version. Welche man braucht, kommt auf die Saitenhalterung der Gitarre an. In der Regel kann man Loopend Saiten überall aufziehen, während Ballend Saiten eigene Halter benötigen. Die Ballends sind einfach leichter aufzuziehen.

Plektren (Picks):

Plektren / Picks für Gypsygitarren Man spielt generell ziemlich harte Picks, die sich auf keinen Fall biegen dürfen. "Wegen" ist ein bekannter Hersteller von Gypsyjazz Picks. Die bekannten Standardpicks haben eine Dicke von 3,5mm. Die Kombination aus den weichen Saiten, harten Picks und der speziellen Spieltechnik ist extrem wichtig für den Gypsysound.

Fazit:

Wenn du auf Gypsyjazz à la Django Reinhardt oder Stochelo Rosenberg stehst, kommst du um eine Gypsygitarre nicht herum. Denn mit gewöhnlichen Westerngitarren bekommst du den Gypsysound nicht wirklich gut hin. (Und sag niemals Westerngitarre zu einer Gypsygitarre, sonst ist sie sehr beleidigt ;-)

Du musst dabei das Zusammenspiel mehrerer wichtiger Faktoren berücksichtigen. Die richtige Gitarre, Saiten, Plektrum und natürlich die richtige Spieltechnik.

D-Loch oder O-Loch? Wenn du weißt, dass du ausschließlich Rhythmus spielen möchtest ist die D-Loch Variante zu empfehlen. Wenn du Solo oder beides spielen willst empfehle ich dir ganz klar eine O-Loch Form. Sie ist vielseitiger, da sie bis in hohe Lagen bespielbar ist und sich besser durchsetzt (leise begleiten kann man mit guter Spieltechnik immer noch).

Tonabnehmer für Gypsygitarren: Falls du auf die Bühne willst achte darauf, dass ein Piezo-Tonabnehmer (Bigtone) eingebaut ist. Sonst wird`s mühsam. Und nachrüsten ist bei einer Gypsygitarre nicht ganz einfach, da der Tonabnehmer in den Steg eingebaut ist.

Wo kann man Gipsygitarren kaufen? In normalen Musikgeschäften findest du selten Gypsygitarren. Wenn dann noch von der Marke Gitane. Gitanes sind recht günstig und beginnen so um 400,-. Der Klang ist in diesem Presisegment nicht wirklich überragend, die wenigsten haben einen Tonabnehmer und viele einen sehr klobigen Hals. Also greifst du (zumindest später mal) zu einer teuereren Gitane oÄ oder lässt dir gleich eine bauen.

Tatsächlich gibt es so wenige Gypsygitarren, dass sich die meisten Leute eine bauen lassen. Das kostet allerdings ungefähr 2500-3000,- Euro. Dafür kannst du dir alles nach Maß machen lassen. Ich habe mir zB einen ziemlich schlanken Hals bauen lassen.

Kauftipps:

  • Geringes Budget: Gitane GJ-0
    Die Einsteigerserie von Gitane. O-Loch Variante. Ohne Tonabnehmer!
  • Mittleres / hohes Budget: Dupont Nomade
    Dupont baut hervorragende "Stangenware". Zwar schon etwas höherpreisiger, aber immer noch günstiger als bauen lassen.
  • Hohes Budget: Gitarre bauen lassen (ca 2.500-3.000,-). Leider kenne ich in Österreich niemanden, der Gypsygitarren baut. Man kann aber problemlos in Deutschland bauen und schicken lassen. Meine Gitarre habe ich beim bekanntesten Luthier für Gypsygitarren bauen lassen: Volkert Guitars
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